Investigativer Journalismus bezeichnet eine besondere Form des Journalismus, die auf einer gründlichen, umfassenden, genauen und meist auch langwierigen Recherche basiert. Dabei werden oft skandalöse Sachverhalte aus den Bereichen Politik und Wirtschaft aufgedeckt. Ein wichtiges ausländisches Beispiel für investigativen Journalismus ist so z.B. die Watergate-Affäre, die durch die US-amerikanischen Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward ans Licht kam. Die Washington Post veröffentlichte die Berichte, deren Beweise auch vor Gericht standhalten konnten.
Beispiele und Funktion
Die Funktion eines soliden investigativen Journalismus ist nicht zu unterschätzen. Als vierte Gewalt im Staat, spielt sie eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der Wirtschaftskonzerne und Staatsorgane in einer Demokratie. Der sogenannte ‘Enthüllungsjournalismus’ ist eine Unterform des investigativen Journalismus. Allerdings handelt es sich hierbei um das Aufdecken privater, mehr oder weniger Aufsehen erregender Skandalgeschichten von öffentlichen Personen und Prominenten. Somit gehört diese Art des Journalismus weniger zum investigativen Journalismus, als zum Bereich des Boulevard-Journalismus.
Bekannte deutsche Vertreter des investigativen Journalismus
Maximilian Harden ist einer der frühen Vorläufer des heutigen investigativen Journalismus. Er deckte 1906, also zur Zeit des deutschen Kaiserreichs, die Harden-Eulenberg-Affäre auf. Davon betroffen waren bedeutende Mitglieder des Kabinetts rund um Kaiser Wilhelm II. Sie war der größte Skandal dieser Zeit. Es ging um zahlreiche Kriegsgerichts- sowie 5 normale Verfahren, in denen den Beteiligten homosexuelles Verhalten vorgeworfen wurde – und um die daraus resultierenden Verleumdungsklagen. Ursächlich war diese Affäre aber ein Ausdruck der angespannten und kriegslüsternen Stimmung in Deutschland kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges.
Hans Leyendecker ist einer der führenden investigativen Journalisten der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde bekannt durch die Aufdeckung der CDU-Spendenaffäre, deren Ergebnisse erstmals in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurden.
Es gibt viele weitere folgenreiche Affären, die von führenden Journalisten aufgedeckt wurden. Interessant ist so auch die Veröffentlichung: “Die Strippenzieher: Manager, Minister, Medien – wie Deutschland regiert wird”. Die beiden Journalisten Cerstin Gammelin und Götz Hamann haben lange und aufwändig recherchiert, um die Zusammenhang zwischen Wirtschaftslobbyismus, den Ministerien und zahlreichen Gesetzesentwürfen, die aus sehr speziell gelagerten Interessen resultieren, offensichtlich zu machen.
Jürgen Roth beschäftigte sich mit dem Thema “Ermitteln verboten!”. Es handelt sich hierbei um eine Reportage, die die Grenzen polizeilicher Ermittlungsbemühungen zeigt. Abhängigkeiten stellt er in seinem 2006 erschienen Buch “Der Deutschland-Clan” dar – es geht um jene zwischen führenden Managern, Politikern und Justizbeamten.
In geheimer Mission: Undercover-Journalismus
Eine Sonderform des investigativen Journalismus ist der Undercover-Journalismus. Ein historisches Beispiel detektivischer, wie auch gefährlicher Recherchetätigkeit ist Leo Lania, der sich 1923 Zugang zu Adolf Hitlers engstem Kreis verschaffte. Als italienischer Faschist getarnt gelang es ihm, interessante Beobachtungen über die frühe Nazi-Bewegung zu machen. Diese Erfahrungen veröffentlichte er 1924 in dem Bericht “Die Totengräber Deutschlands”.
In der aktuellen Debatte zum Thema Ausländerfeindlichkeit erregte besonders Günter Wallraff Aufmerksamkeit. Mithilfe verschiedener Identitäten, gelang es ihm eindrücklich, die Lebensbedingungen ausländischer Gastarbeiter darzustellen. Seine Reportagen wurden in der Öffentlichkeit streng diskutiert.
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