Martin Scorsese ist nicht einfach ein Regisseur, er ist der unbestrittene Altmeister des amerikanischen Neorealismus, eine Filmphase die ein paar ganz große Filme hervorgebracht hat. Scorsese hatte seine ganz große Zeit in den siebziger Jahren als er mit dem Film “Taxi Driver” einen ganz besonderen Nerv der Kinobesucher traf. Seine Methoden sind unkonventionell, aber er schafft es immer, seine Schauspieler zu Höchstleistungen zu bewegen.
Das Geheimrezept
Sein Rezept ist es, den Actor zu fordern. Scorsese gibt wenig vor, er lässt den Schauspieler seine Rolle selbst entwerfen und wartet, bis der Darsteller eigene Ideen in sein Spiel einbringt. Es folgen teilweise stundenlange Gespräche, solange bis der Schauspieler die Rolle von sich aus begreift und weiter entwickelt. Martin Scorsese arbeitet nicht gerne mit Darstellern, die sich genau an die Anweisungen halten, sie treiben ihm die Rolle nicht genügend voran. Die Helden seiner Filme sind oft kleine, normale Leute die sich gegen Gewalt und Ungerechtigkeiten auflehnen – und daran zerbrechen, oder langsam aber unentrinnbar in den Wahnsinn abgleiten. Wie in “Taxi Driver” oder die Figur Teddy in “Shutter Island” – genial gespielt von Leonardo di Caprio – der als Bundesmarschall auf einer Gefängnisinsel für psychische Straftäter ermittelt. Eine kranke, zerrüttete Rolle die in einem Strudel von Traumata, Paranoia und Wahrnehmungsstörungen endet.
Die Geschichte ist kein Abbild der Realität
Gewalt ist allgegenwärtig in seinen Filmen und Leichen finden sich fast überall. Im Kofferraum und im Müllwagen genauso wie in Schlachthäusern. Doch im Gegensatz zur Gewalt im Kino allgemein wird sie nicht zur Effekthascherei. Gewalt erzeugt bei Scorsese selten Spannung. Sie gehört zur Story, kein Grund sie besonders hervorzuheben. Scorsese versteht seine Filme nicht als Abbild der Realität sondern als Kino. Seine Darsteller spielen eine Rolle, Robert de Niro ist kein Taxifahrer er spielt ihn nur. Die Brutalität mancher seiner Filme will sich nicht auf den Zuschauer übertragen sie bleibt Theater. Martin Scorsese sagt von sich selbst, dass er einmal Priester werden wollte. Etwas Religiöses ist in allen seinen Filmen zu finden. Metaphysische Grundströmungen und rituelle Erfahrungen ziehen sich von “Taxi Driver” bis zur “Letzten Versuchung Christi”. Aber sie bleiben auch hier letztlich nur ein Stück Traumfabrik.
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